Veranstaltungen vom a.l.i.a.s.
Ausstellung "Partigiani"
Gegen Faschismus und deutsche Besatzung. Der Widerstand in Italien.
Eine Fotoausstellung der Institute für Widerstand und Zeitgeschichte Modena, Parma, Reggio Emilia
Öffnungszeiten: 11.06. - 09.07.09 | Montag - Freitag, 16 - 20 Uhr
Ort: AZ Conni, Rudolf-Leonhard-Straße 39
Ausstellung und Begleitprogramm wurden gemeinsam mit dem Infocafe Dresden organisiert
> Der historische Kontext
> Die Ausstellung - in zwei Teilen
> Veranstaltungen|Termine zur Ausstellung
Der historische Kontext
Benito Mussolini, Begründer des italienischen Faschismus hatte seine politischen Wurzeln in der Sozialistischen Partei Italiens (PSI), in der er den linkssyndikalistischen Flügel vertrat.
1914 gründete er die „Bünde der revolutionären Aktion“ (Fasci d'Azione Rivoluzionaria, FAR), welche den Kriegseintritt Italiens forderten um die italienischsprachigen Regionen Trentino und
Triest Italien anzugliedern. Daraufhin wurde er aus der PSI ausgeschlossen. Die FAR begann sozialistische und kommunistische Parteien und Organisationen mit zum Teil massiver Gewalt zu bekämpfen.
Nach dem 1. Weltkreig, im März 1919, gründete Mussolini in Mailand die "Fasci di Combattimenti" („Kampfbünde“). Diese forderten eine Revision der Versailler Verträge zu Gunsten Italiens. Die Fasci wuchsen vor allem in den Jahren 1921/22 zur größten Massenbewegung Italiens an. Am 7. November 1921 wurden in Rom die "Fasci di Combattimento" in die "Partito Nazionale Fascista", eine politische Vereinigung und "Volkspartei", umgewandelt. Konfrontiert mit dem "Marsch auf Rom" der Faschist_innen unter Mussolini vom 27.-31. Oktober 1922, ernannte König Viktor Emanuel III. Mussolini schließlich zum Ministerpräsidenten Italiens und übergab somit die politische Macht im Land der Faschistischen Partei.
In den folgenden Jahren errichteten die Faschist_innen mit Mussolini an der Spitze eine Diktatur. Die "Partito Nazionale Fascista" wurde zur Einheitspartei, regimekritische Zeitungen wurden verboten, Gegner der Faschist_innen mit den Repressionsmaßnahmen eines ausgebauten Polizeistaats verfolgt. 1925 wurde die Sozialistische Partei und antifaschistische Organisationen verboten. Ab 1938 verfolgte Italien offiziell eine antisemitische Politik und führte "Rassegesetze" ein.
Mit dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 formierte sich erster Widerstand gegen das System. Hielt das faschistische Italien bereits seit 1936 enge Verbindungen zum Deutschen Reich, wurden diese im Verlauf des zweiten Weltkrieges engste Verbündete. Mit der Landung der Alliierten 1943 in Sizilien, war die Achse Berlin Rom jedoch am Ende. Der italienische König unterschrieb eine Waffenstillstandserklärung und Mussolini wurde festgenommen. Am 8. September 1943 besetzten die Deutschen daraufhin Nord- und Mittelitalien und Mussolini wurde vier Tage später befreit. Unter deutschem Schutz konnte er die faschistische Regierung von Salo errichten.
In den Jahren der deutschen Besatzung (1943 bis 1945) verschleppten die Nazis zahlreiche Jüdinnen und Juden, Mitglieder der italienischen Widerstandsbewegung (Resistenza) und Soldaten, die nicht mehr auf der deutschen Seite in den Krieg ziehen wollten, in Konzentrationslager oder als Zwangsarbeiter_innen nach Nord- und Osteuropa.
Vor diesem Hintergrund entwickelte sich im nördlichen Teil Italiens trotz blutiger Repressionen eine breite antifaschistische Streik- und Partisan_innenbewegung, die sich sowohl gegen Mussolinis Faschist_innen als auch gegen die deutsche Besatzungsmacht richtete. Im Sommer und Frühherbst 1944 verschärften sich die Terrormaßnahmen von Nazis und faschistischen Milizen gegenüber der italienischen Zivilbevölkerung durch brutale Massaker, Geiselerschießungen und die Zerstörung ganzer Dörfer.
Nach einer alliierten Schlussoffensive und einem "allgemeinen Aufstand" der Partisan_innen kapitulierten am 2. Mai 1945 die deutschen Truppen in Italien.
Die Ausstellung - in zwei Teilen
Die Fotoausstellung "Partigiani" wurde von den italienischen Instituten für Widerstand und Zeitgeschichte aus Modena, Parma und Reggio Emilia erarbeitet. Diese Geschichtsinstitute erforschen seit langem die Geschichte des italienischen Faschismus, der deutschen Besatzung und des Widerstandes, insbesondere auch die Geschichte der Resistenza in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden der ehemaligen Partisan_innen.
Weitere Informationen unter www.istoreco.re.it
Aus Platzgründen werden wir die Ausstellung in zwei Teilen, je zwei Wochen zeigen.
Der erste Teil der Ausstellung beginnt mit dem Kriegseintritt Italiens 1940. Es werden zum einen die daraus resultierenden Folgen, wie militärische Verluste bis hin zum Waffenstillstandsvertrag mit den Alliierten 1943, als auch die im Anschluss beginnende deutsche Besatzung, beleuchtet. Weitergehend wird die Entwicklung der Resistenza, von den ersten spontanen Widerstandsaktionen bis zur Partisan_innenrepublik thematisiert.
Im zweiten Teil der Ausstellung wird sowohl der Partisan_innenkampf als auch die Repression durch die Nationalsozialisten und italienischen Faschisten betrachtet - Massaker an der Zivilbevölkerung, die Verfolgung von Jüdinnen und Juden und die Folterung von gefangenen Partisan_innen. Im letzten Teil wird Bezug auf die Kriegsführung der Alliierten genommen und die endgültige Befreiung Italiens.
>> nach oben
Veranstaltungen|Termine
11.06.09 - 23.06.09
1. Teil der Ausstellung "Partigiani"
Donnerstag 11.06.09|20 Uhr
Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung "Partigiani"
Vortrag zur Einführung in die Geschichte der italienischen Resistenza
Mittwoch 24.06.09|20 Uhr
Lesung "Meine sieben Söhne"
Im Anfangsstadium der Resistenza ist die Geschichte der Familie Cervi von grundlegender Bedeutung.
Der tragische Tod aller sieben Brüder, die am 28. Dezember 1943 auf dem Schießplatz von Reggio Emilia
erschossen wurden, verlieh den Aktivitäten der Familie Cervi starke symbolische Bedeutung.
Die Cervi erfahren am eigenen Leibe die zahlreichen anfänglichen Schwierigkeiten der Widerstandsbewegung.
Nach dem 8. September beginnt dann die militärische Aktivität der Cervi, die ohne Zweifel die erste organisierte
Gruppe in der Nordemilia sind.
Ihr Haus in der Poebene dient als Basis der Partisan_innengruppe und bietet Unterschlupf für andere
Widerstandskämpfer_innen. Am 25. November 1943 wird das Haus von faschistischen Einheiten umstellt und
nach einem Feuergefecht werden die sieben Brüder, der Vater und andere Partisanen gefangengenommen.
Die 1955 anhand der Erinnerungen des Vaters Alcide entstandene Familienbiographie und politische Geschichte
der Cervi wurde ein aussergewöhnlicher literarischer Erfolg.
25.06.09 - 09.07.09
2. Teil der Ausstellung "Partigiani"
Mittwoch 1.07.09|20 Uhr
Film über die Zeit der deutschen Besatzung in Rom 1943/44
Geschildert werden die Aktivitäten einer römischen Widerstandsgruppe während des Zweiten Weltkrieges.
Ihre Mitglieder geraten dabei ins Visier der Gestapo und werden wenig später gefasst, die Verlobte eines
Mitglieds dabei auf offener Straße getötet. Der Widerstand befreit zwei von ihnen, eine enttäuschte Liebhaberin
verrät sie jedoch erneut. Ein ranghoher Führer der Gruppe kommt bei den anschließenden Folterungen ums
Leben, ein Priester wird hingerichtet.
Donnerstag 09.07.09|20 Uhr
Abschlussveranstaltung zur Ausstellung "Partigiani"
Film Partisanen - 61. Jahrestag der Befreiung Italiens vom Faschismus
Videomitschnitt der Veranstaltung im Festsaal Kreuzberg am 11. und 19.4.2006.
Veranstalter_innen:
Antifaschistische Linke Berlin, deutsch-italienischer Kulturverein Luna Rossa, Istoreco, Il Due Forni - Il Casolare und Red Stuff e.V.
mit:
Rosario Bentivegna (84), Rom, Italien
Mitglied der Stadtguerilla GAP, Rom. Beteiligte sich am Anschlag in der Via Rassella auf deutsche Soldaten.
Diese Aktion beantwortete die Wehrmacht mit dem Massaker in den ardeatinischen Höhlen. Erlebte die Befreiung im Juni 1944 in Rom.
Giacomina Castagnetti (81), Reggio Emilia, Italien
kämpfte ab 1943 in der Gruppi di Difesa della Donna in der Resistenza (Versorgung, Waffen, Kleidung, medizinische Pflege, Kommunikation)
Giacomo Notari (79), Reggio Emilia, Italien
Verbindungsmann in der 144. Brigata Garibaldi in den Bergen bei Reggio Emilia.
Nach 1945 im Partisanenverband ANPI und Kommunalpolitiker der KPI. Heute Präsident des Partisanenverbandes ANPI.
deutsche Übersetzung: Steffen Kreuseler - Länge: 1h 52min
alle Veranstaltungen finden im AZ Conni statt!
>> nach oben
a.l.i.a.s., Böhmische Str. 12, 01099 Dresden, Öffnungszeiten: Freitag 16
bis 20 Uhr