Veranstaltungen vom a.l.i.a.s.
„Antiziganismus in Europa.
Zur Aktualität der Feindschaft gegenüber Roma.“
Eine Veranstaltungsreihe
Die Veranstaltungsreihe wird gemeinsam mit Recherche Ost und Friends organisiert.
> Veranstaltungen|Termine der Reihe
> Tagesseminar zu Tschechien
> Organisatorisches
Das Phänomen des Antiziganismus ist in westlichen Gesellschaften weit verbreitet und in Form von alltäglichen Ressentiments bis hin zu konkreten
Angriffen äußerst wirkungsmächtig. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Im
Nationalsozialismus wurden Hunderttausende Roma und andere als ‚Zigeuner‘ Verfolgte aus ganz Europa deportiert und planmäßig vernichtet.
An politischen und theoretischen Analysen fehlt es dennoch. Auch eine linke Kritik geht oft nicht über moralische Empörung hinaus.
In vier Veranstaltungen und einem Tagesseminar soll es deshalb um Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus in Europa gehen. Wie stellte und stellt
sich dieses Ressentiment dar, wie lässt es sich beschreiben und wie erklären?
Zunächst soll eine historische und begriffliche Einführung in den Komplex erfolgen, ebenso wie eine tiefergehende theoretische Annäherung. Hierbei soll
der Blick insbesondere auf Deutschland gerichtet werden.
In den drei folgenden Veranstaltungen wird die Gegenwart des Antiziganismus in Europa thematisiert - Italien, Kosovo und Tschechien sind im Fokus.
Im Bezug auf Tschechien geht es innerhalb des Tagesseminars einen Schritt weiter. Über die Beschreibung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Präsenz des
Antiziganismus hinaus, sollen die Möglichkeiten der politischen Intervention diskutiert werden.
Veranstaltungen
Donnerstag 22.10.09|AZ Conni|20 Uhr
Kathrin Herold und Markus End
Antiziganistische Zustände - Einführung in Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus.
Im Eröffnungsvortrag der Vortragsreihe zu Antiziganismus organisiert durch das Alias Dresden, Recherche Ost und Friends werden Kathrin Herold und Markus End eine Einführung in den Themenkomplex Antiziganismus geben. Dabei werden sie auf die sehr lange Geschichte dieses Ressentiments eingehen, seine verschiedenen Bilder und Stereotype vorstellen und die Gegenwart des Antiziganismus in Europa beschreiben. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung wird auf der Verfolgung und Vernichtung von Roma, Sinti und anderen als „Zigeuner“ stigmatisierten durch die Deutschen und ihre Helfer_innen während des Nationalsozialismus liegen, ein zweiter auf dem bundesdeutschen Nachkriegsantiziganismus, der sich durch eine Kontinuität der Verfolgungen, bei gleichzeitiger Nicht-Anerkennung des Völkermordes auszeichnet.
Kathrin Herold, geboren 1977, hat Kulturwissenschaften, Soziologie und Romanistik in Bremen und Madrid studiert. Sie beschäftigt sich mit Theorien und Praxen zu Antirassismus, Antifaschismus und Erinnerungs- und Gedenkpolitik. Sie ist tätig im Bereich politischer Bildungsarbeit, u.a. an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg sowie für die Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen. Zu dem ist sie Mitherausgeberin des Sammelbandes „Antiziganistische Zustände“.
Markus End ist Mitherausgeber des Sammelbandes „Antiziganistische Zustände“. Er lebt in Berlin und promoviert zu Semantiken des Antiziganismus.
Donnerstag 29.10.09|AZ Conni|20 Uhr
Roswitha Scholz
Arbeitsgesellschaft und Antiziganismus
Selbst Linken ist es gewissermaßen peinlich, sich mit dem Thema Antiziganismus auseinanderzusetzen. „Zigeuner“ gelten in der romantisierenden Vorstellung im Gegensatz zum disziplinierten Individuum der „Dominanzkultur“ (Birgit Rommelspacher) als „wild and free“. Sie leben scheinbar auf der arbeitsabgewandten Seite der Gesellschaft. Dabei handelt es sich beim Antiziganismus gleichzeitig um eine Form des Rassismus, der sich wie kein anderer durch tiefe Verachtung auszeichnet.
Die „Zigeuner“, zu deren Kultur es angeblich gehört, dass sie lügen, betrügen und stehlen, wurden wie keine andere Bevölkerungsgruppe in der modernen Geschichte pauschal kriminalisiert und polizeilich erfasst. Lange hat es gedauert, bis die Massenvernichtung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus überhaupt in der rassistischen Dimension thematisiert wurde. Und noch heute tut man sich mit dieser Erinnerung „schwer“. Irgendwie scheint es sich um „unwürdige“ Opfer zu handeln. In dem Vortrag soll die Grundstruktur dieser zu Unrecht vernachlässigten Variante des Rassismus herausgearbeitet werden.
Roswitha Scholz, geboren 1959, Sozialpädagogin, Studium querbeet durch die Sozial- und Geisteswissenschaften, zweiter Bildungsweg, freie Publizistin, Redaktionsmitglied der Theoriezeitschrift EXIT. Buchveröffentlichungen: Das Geschlecht des Kapitalismus (2000), Differenzen der Krise - Krise der Differenzen (2005), etliche Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften, Arbeitsschwerpunkte: Soziale Ungleichheit, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, Postmoderne und Zeitgeist, zur Zeit arbeitet sie zum Verhältnis: Gesellschaftliche Form – konkrete Totalität – Dialektik.
Donnerstag 12.11.09|AZ Conni|20 Uhr
Katrin Lange
Übergriffe gegen Romaflüchtlinge in Italien und rassistische Hetzkampagnen
In Italien greifen antiziganistische Stimmungsmache durch die Politik, Hetze gegen Roma und Sinti durch die Medien und antiziganistische Übergriffe durch die Bevölkerung in den letzten Jahren immer unheilvoller ineinander. Diese Entwicklung ist auch Teil von Faschisierungs-Tendenzen seit dem Regierungsantritt Berlusconi, aber bei weitem nicht alleine dadurch zu erklären. Antiziganistische Ressentiments sind vielmehr in der italienischen Mehrheitsbevölkerung seit langem weit verbreitet.
In dieser Veranstaltung soll der zunehmende Antiziganismus der letzten Jahre anhand von konkreten Beispielen auf dem Hintergrund seiner strukturellen Verankerung (Stichwort „Nomadencamps“) beleuchtet werden. Gleichzeitig werden Protagonist_innen eines Widerstandes gegen diese Entwicklungen vorgestellt.
Katrin Lange wohnt in Bremen und ist seit vielen Jahren in antirassistischen Initiativen aktiv, u.a. mehrjährige Mitarbeit im Roma-Bündnis-Nordwest. Sie hat mehrere Jahre in Italien und Albanien gelebt und gearbeitet.
Montag 30.11.09|AZ Conni|20 Uhr
Dirk Auer
Zwischen den Fronten - Die Vertreibung der Roma aus dem Kosovo und die Verantwortung der Internationalen Gemeinschaft
Die Internationale Gemeinschaft hat während der vergangenen acht Jahre im Kosovo das größte Nationbuilding-Projekt aller Zeiten gesteuert. Geldmengen in Milliardenhöhe flossen und fließen jedes Jahr für Demokratie, den Aufbau der Ökonomie und die Durchsetzung und Einhaltung von Menschenrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien. Doch die Situation der Roma hat sich nach der und durch die Intervention der Internationalen Gemeinschaft nicht gebessert. Im Gegenteil: Schätzungen zufolge wurden schon kurz nach dem Krieg von den ehemals 150.000 in Kosovo lebenden Roma zwei Drittel aus dem Land getrieben - und das alles unter den Augen der bereits stationierten NATO-Soldaten.
Die Situation der im Kosovo verbliebenen Roma ist bis heute desolat. Doch nun haben die deutschen Länderinnenminister und die Behörden des Kosovo ein Rücknahmeabkommen abgeschlossen. Massenweise erhalten die 25.000 Roma aus dem Kosovo, die zurzeit noch als geduldete Flüchtlinge in Deutschland leben, Briefe von den Ausländerämtern, in denen sie zur unverzüglichen Ausreise aufgefordert werden. Kommen sie dieser nicht nach, droht ihnen die Abschiebung - in ein Land, in dem Roma nach übereinstimmenden Berichten von Menschenrechtsorganisationen kaum eine Chance haben, ihre Existenz zu sichern.
Dirk Auer, Dr., geb. 1970, Sozialwissenschaftler. Lebt seit 2006 als freier Korrespondent in Sofia, von wo aus er für den ARD-Hörfunk über die verschiedenen Länder des Balkans berichtet (www.balkanbiro.de).
Interessenschwerpunkte: Migration, Roma, Minderheitenpolitik. Betreibt die Webseite www.roma-kosovoinfo.com
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Tagesseminar zu Tschechien
Samstag 21.11.09|Tagesseminar|Görlitzer Str.18|Drogenberatung|12-18 Uhr
Antiziganismus in Tschechien.
Tagesseminar zu Situation und Möglichkeiten der Intervention.
Während die Veranstaltungsreihe in Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus einführt und das Ressentiment auf theoretischer Ebene beleuchtet, soll das Tageseminar den Fokus auf Tschechien richten – einem Land, in dem staatliche Bevormundung und gesamtgesellschaftliche Ausgrenzung sowie gewalttätige Übergriffe durch organisierte Nazis gegen Roma zu verzeichnen sind.
In der dreiteiligen Veranstaltung wird zunächst versucht, ein genaues Bild der Situation in Tschechien zu zeichnen und zu diskutieren. Antifaschistische Recherchegruppen werden dann Einblick in die Kooperation deutscher und tschechischer Nazis geben, bevor in einer moderierten Runde Möglichkeiten der Interventionen gegen Antiziganismus in Tschechien geprüft und erste Ansätze besprochen werden.br>
Das Seminar, welches einen ersten Schritt zur Information und Vernetzung darstellen und eine fortgesetzte politische Arbeit gegen Antiziganismus initiieren soll, richtet sich an antifaschistisch und antirassistisch engagierte Einzelpersonen und politische Zusammenhänge vornehmlich aus Deutschland, die wir herzlich einladen.
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Organisatorisches
Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Dresden, hearts e.V., Kulturbüro Sachsen,
Quertopf der Landtagsfraktion die.Linke und dem OffenenAntifaTreffen statt.
Veranstaltungen
Veranstaltungsort für alle vier Vorträge ist der Saal im AZ Conni, Rudolf Leonhard Str. 39. www.azconni.de
Tagesseminar
Die Teilnahme ist kostenlos.
Eine Anmeldung sollte bis zum 7.11.09 per mail an your_alias[at]fastmail.net erfolgen.
Das Tagesseminar findet in der Görlitzer Str. 18 in der Drogenberatung statt.
Die Suche von Übernachtungsmöglichkeiten kann unterstützt werden.
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a.l.i.a.s., Böhmische Str. 12, 01099 Dresden, Öffnungszeiten: Freitag 16
bis 20 Uhr